Exkursion ins Helbetal

Von der Autobahn ins Abenteuer

Ca. 30 Minuten Fahrt von Nordhausen und ca. 45 Autominuten von Mühlhausen sind es bis zum Dün. Dün was? Nicht Dune der Wüstenplanet, sondern der Höhenzug Dün zwischen Hainleite und Nördlichem Eichsfeld ist gemeint. Seine direkte Nähe zum Harz und die leichte Erreichbarkeit über die Autobahn 38 haben unser Interesse geweckt, denn ungefähr die Hälfte des rund 270km² großen nordthüringischen Höhenzuges sind bewaldet. Ein Blick auf die Karte genügte, um die Wanderlust für diese Gegend vollends zu wecken. Wir wandern heute im Dün.

Harzer Bergwald Tourendetails

Startpunkt: Wanderparkplatz bei Kleinberndten

Länge: 13 Kilometer

Download: GPX-Datei

Wie das Selketal zum Anfassen

Ein Wegweiser im HelbetalUnweigerlich fällt der große Bogen der Helbe ins Auge, beschäftigt man sich näher mit einer Karte des Dün. Weit schlingt er sich durch die Wälder am Ostrand des Höhenzugs, unweit von Kleinberndten. Wir hatten uns ein paar Informationen eingeholt, die Tour bei Komoot geplant und los ging es. Wer über die A38 kommt, nimmt die Abfahrt Nr.8 Bleicherode. Richtung Süden führt zuerst die L1016 und dann die L1033 nach Kleinberndten. Wenn man vor Kleinberndten den Wald verlässt, führt der zweite Feldweg auf der rechten Seite direkt zu unserem kleinen Wanderparkplatz im Wald. Das ermöglicht den Start direkt am Helbetal.

Als sich zum ersten Mal das Helbetal vor uns öffnet, stehen wir genau an der Nordseite des großen Knies. Der Blick nach Westen und nach Süden ins Tal ist offen. Sein geschlungener Verlauf lässt aber noch keinen tiefen Blick zu. Uns reicht das schon beinahe, denn die Herbstfärbung und der leichte Dunst an diesem sonnigen Herbstmorgen hüllen das Tal in einen märchenhaften Schleier. Wir laufen die Runde nach Süden in Uhrzeigerrichtung. Neben uns ist ein Graben am Waldrand, durch den man die Wiesen zum fotografieren erreicht. Die Helbe suchen wir vergeblich. Erst zu Hause finde ich bei Wikipedia den Grund für den trocken liegenden Bach. Das Gebiet ist stark verkarstet und in diesem Bereich führt die Helbe nur nach starkem Regen oder nach der Schneeschmelze Wasser. Uns stört das überhaupt nicht. Als Ostharzer haben wir das Selketal lieben gelernt und irgendwie fühlt sich das Helbetal sofort genau so an und doch irgendwie anders. Man ist allem etwas näher und es scheint so, als könne man sofort nach den Blättern und den umliegenden Bergen greifen. Die trennende Distanz des Selketals fehlt und das macht den ganz besonderen Reiz des Helbetals aus. Man ist immer mittendrin!

Wir durchqueren weiter das Tal. Irgendwann biegt der leicht geschotterte Weg in den Wald ab und wir wechseln das Geläuf von Schotter auf Gras. Das ist wundervoll. Wir wandern über weite Wiesen, einige der Bäume am Waldrand sind in einen tiefen roten Schimmer getaucht. Die kleinen Gehölze am Rand entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Schlehen. Und geht man noch ein paar Schritte näher, dann hängen die Zweige voller Früchte. Horst und ich haben gut Lachen, als Jacqueline feststellen muss, dass sie doch sehr sauer schmecken.

Waldhaus und Teufelskanzel

Das Waldhaus im HelbetalAm östlichsten Punkt der Tour stoßen wir auf das Waldhaus. Hier steht eine alte Gulaschkanone. Ob sie noch genutzt wird? Das Waldhaus ähnelt einer Schutzhütte, nur ist es von massiver Bauart. Das Wetter klart weiter auf und die Sonne wärmt immer mehr. Wir suchen nach einem Rastplatz und wollen zur Teufelskanzel. Unterwegs treffen wir auf alte Holzbrücken, die über das Bett der jetzt trockenen Helbe führen. Im gleißenden Licht der Herbstsonne bieten sie sehr interessante Motive. Wenige Meter weiter treffen wir dann auf eine kleine, am Waldrand versteckte Hütte, die Teufelskanzel. Auf einer Bank auf der Wiese lassen wir uns nieder, trinken unseren Tee, verzehren die erste Vesper und sind einfach nur überwältigt von dem, was wir bis jetzt erleben und fühlen durften. Das Helbetal hat uns bereits jetzt nach nur 5 Kilometern vollständig in seinen Bann gezogen. Wir bleiben noch einige Minuten und genießen die Ruhe. Andere Wanderer haben wir bis jetzt noch nicht getroffen. Wer eine Tour abseits allen Trubels sucht, der sollte ins Helbetal gehen.

Harzer Bergwald Tipp zum Helbetal

In den warmen Monaten solltet ihr euch eine Decke für ein Picknick mitnehmen. Überall im Helbetal warten weiche Wiesen auf euch, um Sonne und Ruhe zu tanken!

Helbeburg und Höhle

Die BurghöhleVon der Teufelskanzel führt der nächste Abschnitt hinauf zur Helbeburg, bzw. den Resten, die von der Burg geblieben sind. Ca. 100 Höhenmeter bilden die Hälfte der Tageshöhenmeter ab. Damit kann man die Tour als nicht sonderlich schwer bezeichnen. Der Aufstieg führt über einen breiten Forstweg. Auf dem Kamm finden wir eine weitere Hütte, das Waldhaus Burghagen. Auch dieser Platz bietet sich hervorragend für eine Rast an. Kurz vor dem Waldhaus biegt der Pfad zur Helbeburg ab. Es ist feucht und der Weg sehr gut von den Wildschweinen bearbeitet. Als wir an der Burg ankommen, müssen wir feststellen, dass wirklich nur noch ein Wall danieder liegt. Trotzdem bietet der Hang, der sich anschließt, mit seinem Buchenbestand eine wunderschöne Kulisse. Wir stoßen auf alte Grenzsteine und wenig später auf das Burgloch, eine Klufthöhle. Hinein traut sich niemand von uns. Auch ohne die Höhle ist ist der Abstieg zurück ins Tal abenteuerlich genug.

Die Steinerne Jungfrau

Die Steinerne Jungfrau im HelbetalIrgendwie dachte man sich bei der Anlage des Pfades, dass der kürzeste Weg auch der Beste sei. Darüber darf man streiten. Es ist sicherer Tritt gefragt. 70 Höhenmeter lässt man im Abstieg liegen und das auf kürzester Distanz. Angekommen im Tal, erwarten uns wieder die geliebten Wiesen. Hier mischen sich Weiden in die Randgehölze und bilden einen lockeren Auwald. Auch hier hängen viele Schlehensträucher voller Früchte. Der Weg ist nun wieder eine geschotterte Forstautobahn. Da, wo sonst der Feuerbach in die Helbe fließt, steht das Helbehaus, eine weitere gut befestigte Hütte. Hier geht es noch einmal den Berg hinauf über einen steilen Stichel. Dort wartet das letzte Ziel des Tages auf uns, die Steinerne Jungfrau. Es handelt sich um ein Sühnekreuz, um das sich zahlreiche Sagen ranken. Ihren Namen verdankt sie den Sagen und wahrscheinlich auch einer Aussage, dass sie von weitem die Gestalt eines "Frauenzimmers" habe. Wir trinken hier noch einmal ein wenig Tee und zehren die letzten Reste unserer Vesper auf. Dann geht es zurück ins Tal. Noch ein paar hundert Meter und wir erreichen wieder den Wegweiser, an dem wir das Helbetal betreten haben.

Harzer Bergwald Tipp zur Steinernen Jungfrau

Auf Sühnekreuz.de könnt ihr Sagen zur Steinernen Jungfrau und weitere interessante Informationen finden.

Fazit

Das Helbetal ist ein Muss für alle Naturliebhaber. Mittendrin statt nur dabei ist hier Programm. Dafür haben wir euch eine Tour von nur 13 Kilometern Länge gestrickt, die mit 230 Höhenmetern sehr moderat ist. Viele offene Wiesen, die vom Wald gesäumt werden, sind Dreh- und Angelpunkt der Wanderung durch das Helbetal im Dün. Wer das Glück hat, die Herbstlaubfärbung oder die Frühjahrsblüte zu erleben, wird zu den glücklichsten Wanderern in dieser Gegend zählen. Harzer Bergwald empfielt euch dringend einen Besuch im Dün. Wer das Selketal liebt, wird das Helbetal umarmen wollen!

 

Die Komoot-Karte zur Tour

 

Das Helbetal auf Google Maps

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