Zum höchsten Aussichtspunkt im Harz

Eine Brockentour für Jedermann

Ich war für die heutige Tourenplanung auserkoren. Die einzige Bedingung, die mir gestellt wurde war, dass ich eine Tour zum Brocken für Jedermann ausarbeite. Am einfachsten funktioniert so ein Test mit Wanderfreunden und so ludt ich zu der Tour ein. Thomas Schmidt, Holger Steffman, Antje und Karsten Meyer sagten mir zu. Einer meiner Arbeitskollegen Thorsten Brosig und Torsten Schaar, ein Freund von Thomas Schmidt begeisterten sich ebenfalls für diese Strecke. So fanden wir uns alle um 8 Uhr am Parkplatz Oderbrück ein, von wo wir die Tour starteten.

 

Harzer Bergwald Tourendetails:

Start: Parkplatz Oderbrück direkt an der Bundesstraße 4 

Anbindung Bus und Bahn: Die Buslinie 820 KVG-Braunschweig hält direkt am Parkplatz Oderbrück

Länge: 18 Kilometer

Stempelstellen der Harzer Wandernadel: 9, 136, 168

Download: GPX-Datei

Das Harzer Hochmoor

Blick über Hirtenstieg und dem NordharzGanz locker und bequem lassen wir die Tour angehen. Vom Wetter war es eher bezogen und grau. Am Parkplatz befindet sich eine Infokarte. Ich erklärte mal jedem, an Hand der riesigen Karte unser heutiges Vorhaben. Gleich am Parkplatz geht es über eine Brücke, die Oder fließt hier drunter durch. Hinter der Brücke biegt man rechts ab und folgt dem Oderlauf. Ab hier an befindet man sich in einem Teil des Harzer Hochmoors. Der Wald wirkt hier wie ein Urwald. Umgekippte Bäume mit Wurzeltellern säumen den Weg. Leider ist dieser Teil sehr stark vom Borkenkäfer befallen gewesen, weshalb sehr viele Fichten und Tannen abgestorben sind. Die Natur erholt sich gerade zusehens. Junge  Bäume wachsen hier überall aus dem Erdboden. Blaubeersträucher und Heidekraut bilden einen grünen Farbkontrast. Die Oder plätschert gleich neben einem her. Der Straßenlärm von der anliegenden Bundesstraße ist kaum noch zu hören, Vögel zwitschern. Nacktschnecken kriechen in den Farben Schwarz und Braun über unseren Weg. An der nächsten Brücke folgt man dem Wegweiser zum "Bodebruch". Baumwurzeln ziehen sich durch den Waldhumusboden. Durch die hohen Fichten wirkt der Wald sehr dunkel. An der nächsten Abbiegung folgt man weiter der Ausschilderung zum "Aussichtspunkt Bodebruch". Jetzt besteht unser Weg aus Holzbrettern. Wir bekommen den Eindruck, dass wir nicht im Harz sondern in der Lüneburger Heide unterwegs sind. Die Landschaft zeigt sich als Heidelandschaft, mit Blaubeersträuchern und Eriken. Hohes Wildgras wächst zwischen den Blaubeersträuchern. Der Morgendunst zieht über die Landschaft, was etwas sehr Mystisches hatte. Kurzzeitig wird unser Weg an einer Gabelung steinig und wir überschreiten größere Steine. Am Aussichtspunkt "Bodebruch" machen wir eine Pause. Filmaufnahmen werden gemacht, Erinnerungsfotos macht fast jeder von uns und natürlich wurde etwas getrunken und gegessen. Wir unterhalten uns in der Gruppe. Alles schön langsam und gemütlich. Herrlich.... Ich finde es sehr entspannend. Da wir dort allein sind, sind wir auch völlig ungestört. Von hieran hält man sich an den Wegweiser zum Brocken bzw. "Dreieckiger Pfahl".

Ein kleines Stück "Harzer Grenzweg"

Wir kommen am "Dreieckigen Pfahl" an, wo ich den Ort und Bedeutung des Grenzsteins erkläre.

Harzer Bergwald Erklärung zum "Dreieckigen Pfahl":

Der „Dreieckige Pfahl“ ist ein historischer Grenzstein im Nationalpark Harz. Ursprünglich markierte der Stein ein Dreiländereck, dann die Grenze zwischen dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig und später die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Heute verläuft an dieser Stelle die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Brockentour Kolonnenweg

Holger und ich schauen ehrfürchtig den Kolonnenweg in Richtung Braunlage entlang und uns fällt unser Erlebnis vom 13.05.2016 ein, wo wir Beide über diesen Weg gegangen sind, um den Harzer Grenzweg zu bewandern. Ich frage Holger: "Und wollen wir?" "Ne lass mal, heute besser nicht. Hab noch von neulich genug" antwortet Holger lächelnd. Hier gibt es noch einen Stempeleintrag für das Wanderheft der Harzer Wandernadel. Stempel 168 "Dreieckiger Pfahl" befindet sich in der Schutzhütte und so drücken alle ihren Abdruck ins Stempelheft. Nach einer kurzen Getränkepause folgen wir dem "Harzer Grenzweg" in Richtung Brocken. Der Weg besteht aus Bimsstein und Walderde. Rechts und links wachsen Eriken am Rand. Hohe Fichten geben Windschutz. Nach einem kurzen bergab führt uns der Kolonnenweg bergan. Die Kräfte werden das erste Mal abgerufen.

 Harzer Bergwald Hinweis:

Die Steigung über den Lochbetonplattenweg bedarf zwar tatsächlich schon einer gewissen Anstrengung, ist aber absolut machbar. Ruhig Zeit lassen und alles ohne Hetze, dann geht es wie von selbst. Und wenn man am "Goethebahnhof" angekommen ist, freut man sich darüber, dass man es geschafft hat und genießt die Aussicht. Vom "Goethebahnhof" hat man einen tollen Blick über die Strecke, die man schon zurückgelegt hat. Es lohnt sich wirklich.

Am "Goethebahnhof" erkläre ich die Sache mit dem Stichgleis. Hier gibt es einen Streckenteil der Harzer Schmalspurbahn, wo der bergabfahrende Zug in ein Stichgleis ausweichen muss, falls der Bahnhof Schierke mal besetzt sein sollte. Das kommt schon mal vor. Wenn der Bahnhof Schierke frei zur Einfahrt ist, setzt der Zug im Stichgleis zurück und fährt weiter in Richtung Schierke. Da wir uns viel Zeit lassen, habe ich mittlerweile das Gefühl, als ob wir eine Wanderung mit Freunden auf Vergnügungstour machen würden. Wir lachen viel, erzählen und teilen uns eine Salami. Natürlich gibt es auch ein Tröpfchen für die Kehle, die mittlerweile etwas kratzt. Alles im Allem ist es sehr gemütlich. Trotz der vorherigen Anstrengung geniessen wir unsere Pause.

Junge Wanderer treffen auf einen alten zähen Hasen

Thomas und Brockenbenno

Wir gehen parallel zur Dampfzugstrecke auf dem "Goetheweg" entlang. Bimsteinsplitt bettet sich unter unseren Schuhen. Unterwegs genießen wir die Aussicht zum Torfhaus, nach St.Andreasberg und ins Eckertal. Die Antennen des Brockengipfels zeigen sich zwischen den Baumspitzen. Da der Torfboden auf dem Brockenhang sehr feucht ist, bilden sich kleinere Rinnsäle. Mücken tanzen in den Pfützen. Am Rastplatz "Brockenstraße" machen wir eine Pause. Während dieser Zeit haben wir gleich doppeltes Glück. Zum einen kommt der erste Dampfzug des Tages den Brocken hinauf. Die Dampflok schnauft im Gleis. Wir stellen unsere Videokamera auf und filmen die komplette Durchfahrt. Der Lokführer lässt das Dampfroß pfeifen. Wow... Was für eine Geräuschkulisse. Nachdem der Zug durch ist, entdecke ich Brocken Benno, der gerade von seiner heutigen Brockenwanderung bergab kommt. Auf die Schnelle wird ein Interview mit Benno klargemacht. Mehr Glück kann man heute nicht haben. Wir erfahren, dass Benno am 22.05.2016 seinen 84. Geburtstag gefeiert hatte und gratulieren ihm. Was für ein Moment? Wir treffen einen Menschen in einem Alter von 84 Jahren, der immer noch toppfit jeden Tag einmal auf den Brocken steigt. Das muss man erstmal verdauen. Ob wir Jungen das auch später mit 84 Jahren noch schaffen, na da warten wir mal ab. Ich finde das großartig und erweise Benno meinen Respekt. Nochmals nachträglich Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag lieber Benno und weiterhin viel Gesundheit. Wir ziehen weiter und wandern auf der Brockenstraße zum Brockengipfel. Unterwegs bewundern wir die Aussicht zum Wurmberg und zur Leistenklippe. Vor dem Gipfel biegen wir links auf den Naturlehrpfad ein, wo uns von Kräutern und Gräsern, an Hand von Schildern berichtet wird. Wir überqueren die Eisenbahnschienen  und genießen einen Moment später eine sehr schöne Aussicht. Unter uns fährt ein Dampfzug, der wie eine Modelleisenbahn wirkt. Der Himmel ist zwar grau und zugezogen, lässt uns dennoch einen weiten Blick offen. Dass die Temperaturen mal wieder nicht ganz so prickelnd warm sind, muss man auf unserem alten zähen Gipfel schon hinnehmen. Ich bin das ja schon gewohnt. Im Brockenhaus nehmen wir eine warme Mahlzeit ein, bevor wir uns zum Abstieg aufmachen. Stempel Nr.9 "Brockenhaus" drücken wir natürlich ebenfalls in unsere Wanderhefte.

Pause im Eckerloch

Der Abstieg erfolgt über die Brockenstraße, wo wir noch mal die Aussichten nach Ilsenburg, Wernigerode, Leistenklippe und Wurmberg geniessen. Langsam und allmählich wandern wir bergab. Am Goetheweg können wir nochmals einen Dampfzug bewundern. Der Geruch von verbrannter Kohle ist für Eisenbahnfans immer wieder eine Wohltat. Am "Goethebahnhof" geht es über den Kolonnenweg abwärts. Bis zur Kreuzung zum "Eckersprung" verläuft der Rückweg wie schon bergauf. An der Kreuzung biegen wir nach rechts zum Eckersprung ein und stempeln an der Schutzhütte "Eckersprung" den Stempel 136 in unser Heft. Es ist für heute der dritte Stempelabdruck und auch schon der Letzte. An der Schutzhütte Eckersprung genießt man eine Pause. So tuen auch wir das. Brote raus, Apfel aus der Brotdose befreit und einen herzhaften Biss in die frische runde Natur. Spitze... Was für ein Genuss und so lecker.

Harzer Bergwald Hinweis "Eckersprung":

Weiter gibt es hier noch zu sagen, dass dieser Ort auch etwas sehr Gefühlvolles verbirgt. Hier war einst Deutschland und Europa geteilt. Der Grenzzaun verlief dort, wo heute ein Holzbaum aufgestellt wurde. Er erklärt die damalige Teilung und erwähnt das Wandern am "Grünen Band". Gegenüber vom Holzbaum befindet sich ein Holzzaun, gleich hinter der Rastbank ist er zu sehen. Der heutige Holzzaun ist nur zum Schutz für die Pflanzen. Bis November 1989 war hier ein Stahlzaun über den heutigen "Goetheweg" und "Hexenstieg" gezogen. Die Ecker war einst Grenzfluss. Der Quellsprung der Ecker befindet sich hinter dem Holzbaum und wird hier geboren. Etwa 300 Meter den Hang hinunter, auf der linken Seite, findet man die Quelle. Der Fluss entspringt aus dem Boden. Ein Ablaufen vom Eckersprung bis zur Talsperre kann ich sehr empfehlen. Die Natur ist dort noch relativ wild und fast unberührt.

Hopfensack-Klippe

Pause an der Hopfensack KlippeVom Eckersprung geht es über den "Quietscheberg". Noch einmal können wir den Brocken sichten und erst jetzt fällt uns auf, was wir schon geschafft haben. Die Antennen strecken sich über die Baumwipfel. Der Gipfel selbst zeigt sich mit breiter Brust. Am nächsten Wegweiser biegen wir nach links in Richtung Oderbrück ab. Kurze Zeit später treffen wir auf eine Schutzhütte, an der wir links vorbei ziehen. Ein Steinweg erstreckt sich vor uns. Größere und kleinere Steine werden überschritten. Manche liegen uns wie Treppenstufen zu Füßen. Etwas weiter höher treffen wir auf eine Klippe und Karsten Meyer berichtet, dass es sich um die Hopfensack Klippen handelt. Natürlich inspizieren wir diese Klippe und versuchen eine schöne Aussicht zu ergattern, doch Fehlanzeige. Aber dieses Gebiet hat etwas total Sinnliches. Es bietet Ruhe, weil kaum jemand dorthin kommt. Tote Fichten stehen hier und zeigen den einstigen Borkenkäferbefall. Am Boden wachsen kleine junge Fichten. Wie kleine Zwerge stehen sie dort. Da es so herrlich still und auch angenhem warm ist, legen bzw. setzen wir uns auf die Steine und ins moosige Gras und machen eine Entspannungspause. Ein Jeder schaltete total ab und geniesst einfach die Ruhe. Uns für den Rückweg aufzuraffen fällt uns schwer. Doch irgendwann muss es halt sein. Der Weg zum Parkplatz verläuft auf dem steinigen Weg bergauf. Danach biegt man rechts ab und es geht auf Waldboden weiter. Es folgt ein Rastplatz. Ein kleiner wilder Weiher zeigt sich uns in seiner vollen Schönheit am Wegesrand. Ein vom Sturm umgefallener Baum liegt an seinem Ufer. Das Wasser brodelt leicht. Bei näherem Betrachten stellen wir fest, dass Kaulquappen darin schwimmen. Ein Molch taucht im Wasser. Hier folgen wir der Ausschilderung nach Oderbrück. An einer Baumwurzel mache ich es mir bequem und verweigere das Weitergehen. Doch Harzer Bergwald, Thomas Schmidt, ruft zur Abmoderation. Also wieder nichts mit Ende und Ruhe. Nach der Abmoderation lasse ich mich doch davon überzeugen, dass ich mit zum Parkplatz komme. Nachdem wir die letzten Fotos von der Oder gemacht haben und auch die letzten Videos abgedreht haben, heißt es gerader Kurs zum Parkplatz, wo unsere Autos schon sehnsüchtig auf uns warten.

Fazit:

Nicht für umsonst gebe ich dieser Tour den "Romantik" Status. Die Aussichten, die vielen Rastmöglichkeiten mit Orten, wo man Stille und schöne Aussicht genießen kann, sind es Wert, eine Brockentour in die Rubrik Romantik einzustufen. Der Weg zur Hopfensack Klippe ist ein Muss! Sie ist absolut sehenswert und ein schöner Ort zum Entspannen. Auch wenn man von Seiten der Aussicht nicht unbedingt das bekommt, was man von den meisten Klippen im Harz kennt. Wir saßen mit dem Rücken zur Felswand und schauten in Richtung Brocken. Macht das mal und lasst eure Blicke dort schweifen. Schaut euch in aller Ruhe die Natur an, ich bin gespannt, wie ihr diesen Ort erkundet und was ihr so entdeckt. Vielleicht den Brocken selbst? Eine weitere Klippe eventuell? Oder etwas ganz anderes. Ich freue mich auf eure Erlebnisberichte. Ebenfalls ein Muss auf dieser Tour ist der Weg an der Oder bis zum Bodebruch. Die Natur zeigt sich hier sehr abwechslungsreich und hilft bei Meditationsübungen. Ich hab es probiert, es funktionierte super ;) . Auf dem Brocken darf man von kalten Winden nicht gleich enttäuscht sein, das Klima dort oben ist etwas speziell. Es ist auch keine Seltenheit, dass es dort im Mai noch schneit. Am besten vorher mal in die Wetterstation Brocken und einen Blick in die Webcam riskieren und seine Tour dementsprechend planen. 

Viel Spaß beim Wandern. Euer Harzer Bergwald!

Komoot-Karte zur Tour

Das Video zur Tour:

 

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