Auf dem Weg zum Grabenhausdiplom

Für unsere Tour am Rehberger Grabensystem ließen wir uns durch Kaus Dumeier von der Harzer Wandernadel inspirieren. Der Tipp von Klaus entpuppte sich als Volltreffer, denn wir hätten sonst so vieles verpasst. Das beginnt schon gleich bei der Ankunft,  nach dem man sicher die Bundesstraße 242 überquert hat. Vom dortigen Parkplatz fällt man geradezu in den Oderteich. Selbst wenn man noch nie etwas von dieser Talsperre und den Bauwerken des Oderharzer Wasserregals gehört hat, sich nicht von technischen und geschichtlichen Daten beeindrucken lässt, immerhin fängt die Baugeschichte der Talsperre schon im Jahr 1715 an, muss man beim Anblick der Farben, die uns dieser Ort entgegenwirft, innehalten. Hier wird man von den Kontrasten,  die sich wie ein unsichtbares Band, verursacht durch die Tiefe des Oderteiches im Zusammenspiel mit dem am Ufer liegenden Kiessand, übergleitend ins Dunkel der Granitwand weiter durch das schattige Grün der Fichten bis hin zum Blau des Horizonts, der sich vor unseren Augen ausbreitet, gefesselt. Ein Wanderweg könnte keinen schöneren Startpunkt haben.

 

Harzer Bergwald Tourendetails

Startpunkt: Parkplatz Oderteich

Länge: 15 Km

Stempel der Harzer Wandernadel: 155

Download: GPX-Datei

Der Rehberger Graben

Der Oderteich im nationalpark HarzNach dem wir die 153 Meter lange Krone des Damms überquert hatten, stiegen wir im Rücken der Talsperre ab. Hier wird man von dem feuchten Mikroklima und der ansässigen Flora empfangen. Der gut ausgebaute und beschilderte Wanderweg führt direkt zum Rehberger Graben mit seiner dazugehörigen Sperr- und Umfluteinrichtung. Nehmt euch unbedingt Zeit mit, denn es gibt dort einiges zu entdecken. Folgt ihr dem Rehberger Graben in  Fließrichtung weiter, werdet ihr auf zahlreiche Informationspunkte stoßen, die oft auch die Möglichkeit zur Rast bieten. Ihr werdet schmunzelnd feststellen, dass die alten Bergleute über eine gehörige Fantasie verfügten. Wie sonst kommt man auf solche Namen wie etwa Hühnerbrühe oder Drecksumpf? Dass die Ortsbezeichnungen häufig zweckmäßig waren, ist nachvollziehbar. Lustig und interessant ist auch, dass sich diese Namen bis in die heutige Zeit halten konnten.

Auf dem Weg liegt eine Sandgrube, dort werden auf einer Schautafel die geologischen Zusammenhänge zur Wollsackverwitterung gezeigt. Auch an immer wieder auftauchenden Sperrschiebern wird das Grabensystem ausführlich erläutert. Wer sich hier Zeit nimmt, kann sehr viel über das Oberharzer Wasserregal und die Wasserkunst an sich lernen.

Auf dem Weg an den Goetheklippen entlang treffen wir erst auf zwei Rettungswagen und später noch auf die Bergwacht. Wie sich heraustsellte, musste eine verletzte Wanderin aufwändig in den Klippen geborgen werden. Ruck zuck wurde uns klar, dass besonders abseits der befestigten Forststraßen kleine Fehler schwere Folgen haben können.

Etwas weiter an einer urigen Skihütte treffen wir erneut auf ein Bremer Wanderpärchen, denen wir schon im vorderen Bereich des Rehberger Grabens begegnet waren. Wir tauschen uns über die beeindruckende Natur aus und genießen dann gemeinsam den Blick nach Süden. Hier sind die Hänge frei von Bäumen und so schweift der Blick sehr weit in die Ferne.

Einkehr im Rehberger Grabenhaus

Zusammen mit Volker Thale vor dem Rehberger GrabenhausUnd dann erreichen wir unser angestrebtes Tagesziel, das Rehberger Grabenhaus. Es liegt direkt am Weg und ist nicht zu verfehlen. Klaus hatte uns angekündigt und so war Wirt Volker Thale auf uns vorbereitet. Wir allerdings nicht! Volker empfing uns freundlich, servierte uns statt der erhofften Erfrischung und Stärkung aber die Aufgabe, das Grabenhaus-Diplom abzulegen. Das war also Klaus' Plan. Wir willigten natürlich sofort ein. Volker versprach uns zur Belohnung ein leckere Mahl und Getränke. Die Fragen zu beantworten, gestaltete sich zu einer sehr lustigen Angelegenheit. Seine Frau kam hinzu und wir hatten jede Menge zu lachen. Am Ende zeigte sich Volker, der auch den Titel Ehrengrabensteiger tragen darf, gnädig mit uns. Stolz bekamen wir beide das Grabenhausdiplom von ihm überreicht, verbunden mit einem eigens dafür entworfenen Stempel und einem Button zur Erinnerung. Danach genossen wir unsere redlich verdiente Mahlzeit und die Erfrischung. Volker entpuppte sich als wahres Lexikon der Oberharzer Wasserwirtschaft.

Das Rehberger Grabenhausdiplom

Das GrabenhausdiplomDu hältst dich für einen Kenner der Oberharzer Wasserwirtschaft? Dein Wissen über das Rehberger Grabensystem ruft dringend nach einer Prüfung? Dann findest du bei Volker Thale im Rehberger Grabenhaus deine Herausforderung!

Lege das Rehberger Grabenhausdiplom ab und beweise dabei, dass du der wahre Experte der Wasserkunst bist. Als Belohnung winkt das beurkundete Diplom, ausgestellt vom Ehrengrabensteiger und Gastwirt Volker Thale. Zusätzlich gibt es als Erinnerung den Button zum Diplom. Näheres findest du auch im neuen Steigerheft der Harzer Wandernadel.

Wenn du am Rehberger Grabenhaus bist, dann sprich den Wirt an und beweise dich!

Eine Einkehr im Grabenhaus empfielt auch im Winter zur Wildtfütterung. Dann kann man bequem aus den Fenstern der Gaststube die majestätischen Hirsche beobachten, die nur wenige Meter entfernt stehen. Wer sich am Grabenhaus umschaut, kann zum Beispiel auch eine Gebührentafel finden, wo heute noch das Wegegeld aus vergangenen Zeiten ausgeschrieben ist. Seitlich des Gasthauses steht das Modell eines Wasserrades und historische Arbeitsmittel. Hier kann gut nachempfunden werden, welche Mühen die Grabenbauer auf sich nahmen, um das Grabensystem zu errichten. Wer aber annimmt, der Ort wurde nur durch Händler oder Bergleute frequentiert, der irrt! Auch der König von Westphalen wusste eine gute Rast zu schätzen. Auch die Stempeljäger der Harzer Wandernadel kommen nicht zu kurz, die Stempelstelle Nr.155 befindet sich direkt am Gebäude der Wirtschaft.

Harzer-Bergwald-Tipp zur Einkehr:

Waldgaststätte Rehberger Grabenhaus

Rehberger Grabenhaus 1

37444 St. Andreasberg

Tel: 05582 / 789

Aussichtsreicher Rückweg

Blick zum Ravensberg in weiter ferneWir entschlossen unseren Rückweg über den Höhenwanderweg anzutreten, verbunden mit Volkers Versprechen, dass wir hier und da Panoramablicke zu erwarten hätten. Der Aufstieg immer direkt am Graben entlang, gab uns wieder die Möglichkeit,  das Bauwerk weiter zu bewundern. Die Natur und der Graben gehen eine sehenswerte Symbiose ein. Mal dominiert der wilde Charakter und mal wieder der Idyllische. Aber immer wieder bemerkt man die Harmonie zwischen den Dingen. An den Schiebern des Sonnenberger Grabens verlassen wir für eine Weile das Grabensystem. Wir biegen nach einigen Metern rechts ab und wandern nun in Richtung Bergkamm. Trotz der schon tiefer stehenden Sonne wurde unsere Hoffnung auf Aussichtspunkte mit Fernsicht  nicht enttäuscht. Die Rastplätze geben je Lage auf dem Kamm schöne Blickachsen in den Nationalpark und seine Umgebung frei. Nach Süden ist der Funkturm auf dem Ravensberg zu erkennen. Später werden der Brockenfunkmast mit seiner Silhouette, der Achtermann und der Wurmberg unsere Begleiter am rechten Wegrand. Die schräg einfallenden Sonnenstrahlen verzauberten unseren Abstieg durch den Fichtenwald. Der Altweibersommer krönte beinahe wie abgesprochen mit  der nun untergehenden Sonne unseren Rückweg. Jetzt war es Zeit für die romantischen Momente einer Wanderung.

Es schloss sich ein schöner Singletrail an. Irgendwann landeten wir wieder auf dem Grabenweg und schwenkten zurück zum Oderteich. Diesmal statteten wir dem Damm des Teichs keinen erneuten Besuch ab. Unsere Tour ging wie geplant am Parkplatz zu Ende. In unserem Hinterkopf schwirrte jedoch noch der Tipp von Volker herum, im Herbst den Rückweg über das Tal der Oder zu wagen. Die Laubfärbung soll dort unbeschreiblich schön sein. Wer weiß, vielleicht sind wir schon bald wieder dort?

Fazit

Auf dieser Wanderung geben sich Natur und menschliches Erfindertum ein Stelldichein. Der Oderteich, Rehberger Graben, das Rehberger Grabenhaus und die unbeschreiblich schönen Aussichten auf umliegende und entfernte Berge stehen Spalier für einen romantischen Ausflug in den Nationalpark Harz bei St. Andreasberg. Eine geistige Prüfung wartet mit dem Grabenhausdiplom auf euch. Ein Stempel der Harzer Wandernadel rundet diese 15 Kilometer lange Runde ab, die mit gut 200 Höhenmetern nur wenige Prüfungen bereit hält. Für uns ist sie eine der sehr empfehlenswerten Wandertouren im Nationalpark Harz.

 

Das Video zur Tour:

 

Die Komoot-Karte zur Tour:

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