Questenberg und die Karstlandschaft - Eine Reise durch die Zeit

Wandern im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz

Hört man Questenberg, denken die meisten von uns sofort an das Wahrzeichen dieses Ortes, die Queste. Vielleicht fällt dem einen oder anderen auch noch der nahe gelegene Bauerngraben ein, aber dann kann es schon eng werden. Wir haben euch bereits zwei Wanderungen dieser Region vorgestellt, die unter anderem auch zu den beiden bekannten Zielen Queste und Bauerngraben führten. Zudem könnt ihr in unseren Videos vom Reisekönig die Burgen dieser Gegend entdecken. Auf unserer heutigen Wanderung nehmen wir neben der Ruine Questenberg auch die Queste, die Dinsterbachschwinde und die Nassestraße ins Visir. Besonders letztere beiden sind ein Geheimtipp für Ruhesuchende!

Harzer Bergwald Tourendetails:

 

Startpunkt: Parkplatz westlicher Ortseingang an der K2835

Länge: 18 Kilometer

Stempel Harzer Wandernadel: 210, 212

Download: GPX-Datei

Von Null auf Hundert, der Anstieg zur Ruine

An der QuesteAm westlichen Ortsrand von Questenberg befindet sich unser Startpunkt auf dem Park- und Rastplatz direkt am Waldrand. Sofort machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Etappenziel, der Ruine Questenberg. Heute begleitet mich Jacqueline und ich habe ihr nur schemenhaft beschrieben, was gleich auf uns zu kommt. Vielleicht wäre ich sonst allein unterwegs gewesen. Doch das Areal der Ruine ist ein historisch angehauchter Ort, der hoch über Questenberg so noch immer auf den Besucher wirkt. Also geht es frohen Mutes zum Ortskern mit der St. Mariä Geburt-Kirche zu Questenberg. Direkt hinter der Kirch schraubt sich der Pfad in den Berg und nimmt beinahe den kürzesten Weg zur Ruine. Steile Passagen mit Steigungen bis zu 16% bringen den Puls auf Touren. Dass es plötzlich wider aller Vorhersagen beginnt zu regnen, spielt jetzt fast keine Rolle mehr. Ganz im Gegenteil, der Regen lenkt von den Anstrengungen ab. Im Bereich der Vorburg stehen herrlich verwitterte Holzbänke, die mich zu einem Perspektivwechsel verleiten und damit zu Boden zwingen. Auf dem gegenüber liegenden Berg grüßt die Queste. Wir betreten durch das noch erhaltene Portal das Burginnere. Jacqueline erkundet die geheimen Schlupfwinkel der Ruine ausgiebig und auch ich finde selbst bei meinem dritten Besuch noch Unentdecktes. Durch ein leicht verschüttetes Gewölbe dringt spärliches Licht von einem sehr schmalen Fenster auf der Gegenseite. Als ich diesen Teil der Ruine umrunde, finde ich das Fenster von rankenden Rosen zugewuchert. War da nicht was? Eine Idee für ein tolles Foto kommt sofort, aber ich möchte Jacqueline keiner Gefahr innerhalb der Ruine aussetzen und so belasse ich es bei Fotos vom Fenster ohne mein Dornröschen. Außerdem macht mein kleines Mora Survival-Messer als Schwert nicht viel Aufsehen.

Auf die Wahl folgt trotzdem Qual

Im Dorf zurück konfrontiere ich Jacqueline mit einer bitteren Realität. Die Queste, mit der wir eben noch auf Augenhöhe waren, ist das nächste Ziel. Zum Glück kann ich ihr zwei Alternativen zum Weg dort hoch anbieten. Die erste bedeutet, die Stufen direkt zur Queste zu nehmen, was erneut große Strapazen verheißt. Sie wählt die zweite Alternative, die Umgehung der Queste vom südlichen Ortsrand über den Questenweg. Dieser Abschnitt ist bei weitem nicht so steil, aber etwas länger. Und er hält ein beeindruckendes Erlebnis für uns bereit. Ich hatte darauf gehofft, dass die drei riesigen gefallenen Buchen immer noch über dem Questenweg liegen und die Hoffnung erfüllte sich. Erst mit einer Person auf dem Bild erhält man einen Eindruck von den Dimensionen. Die Buchen liegen wie riesige Brücken über dem Einschnitt, in dem sich der Questenweg hindurchzwängt. Kleinere Rampen erschweren zeitweise das Fortkommen, sind aber nie zu lang. Über den Karstwanderweg erreichen wir die Queste dann von Süden. Wir genießen den Ausblick auf Questenberg und unser erstes Ziel, die Burgruine. Es ist schon beeindruckend, wie sich der kleine Ort zwischen die Hänge zwingt und nur über drei Durchlässe zu erreichen oder zu verlassen ist. Nach unserem Lunch wollen wir den nördlichen Auslass, dem Karstwanderweg folgend, passieren. Vorher darf sich Jacqueline noch den Stempel Nr.212 der Harzer Wandernadel in ihr Heft drücken, der diesmal, offensichtlich sehr frisch, vorhanden ist. Also nutzen wir gleich noch die Chance, für Rudi nachzustempeln, der bei unserem letzten Besuch ohne Stempelgummi das Nachsehen hatte.

Wo der Dinsterbach geheimnisvoll verschwindet

Wir machen uns also auf, unseren Weg nach Norden fortzusetzen. Erst die Hirtengasse, dann der Weinberg führen uns den Karstwanderweg entlang. Ca. einen Kilometer vom Ortsrand entfernt liegt die Dinsterbachschwinde. Wie beim Bauerngraben schwindet hier ein Bach im Gestein und sucht seinen Weg unterirdisch. Schon einige Meter vor der Schwinde waren mir starke Wölbungen auf dem Weideland am Waldrand aufgefallen. Für Aufklärung sorgt dann eine Infotafel direkt an der Dinsterbachschwinde. Der Boden gibt durch Ausspülung nach und bringt solche Profile hervor. Als ich die Felswand der Bachschwinde sehe, hält es mich nicht mehr. Ich muss dort runter und unbedingt ein paar Bilder machen. Auf dem lehmigen und steilen Hang ist es doch sehr schwer, sicher nach unten zu kommen. Die Anstrengungen lohnen sich sehr, denn ich kann fantastische Eindrücke und Bilder sammeln. Die abgebrochenen Felsstücke sind in diesem geschützten Bereich mit dicken Moosschichten überzogen und erzeugen das Bild einer Märchenwelt. Zu nah wage ich mich jedoch nicht vor, die Schilderung eines Einsturzes während einer Höhlenexpedition ringt mir einiges an Respekt ab, so dass ich mich mit den sicheren Perspektiven begnüge. Wenn ich mal wieder hier her komme, werde ich meine Pause an diesem so stillen und majästetischen Ort verbringen.

Schöne Aussicht

Blick von der Schönen Aussicht Hainrode

Seit dem Frühjahr 2016 hat die Harzer Wandernadel ihre Stempelstelle 210 an die Schöne Aussicht Hainrode verlegt. Der Name dieser Stelle klingt banal, der Blick vom Pavillon über die Karstlandschaft ist es nicht. Er ist überwältigend! Vor uns tut sich ein Panorama auf, das es mit allen anderen Aussichtspunkten im Harz locker aufnimmt. Versucht von der Schönen Aussicht einmal menschliche Behausungen zu finden. Na, gar nicht so leicht? Das Kyffhäuser-Denkmal und Windräder sieht man, aber Häuser? Da muss man schon suchen. Wie mag das Gefühl wohl bei Mondschein sein? Solltet ihr das mal ausprobieren, dann erzählt uns davon!

Die Nasse ruft

Von der schönen Aussicht geht es zurück zum Diensterbach. Auf einer Wiese gibt es noch einen letzten Blick auf den Kyffhäuser zu ergattern. Dem Dinsterbach folgend, geht es immer weiter bergan. Vom Ortskern in Questenberg bis zum höchsten Punkt nördlich vom Hohen Kopf, sind auf vier Kilometern ca. 250 Meter Höhenunterschied zurück zu legen. Auf den ersten Blick scheint dies moderat, kann aber bei zu hohem Tempo schnell den Spaß am Wandern verderben. Deshalb sollte die Geschwindigkeit immer den eigenen Fähigkeiten entsprechend gut gewählt sein. Nach dem Verlassen des Dinsterbachlaufs schwenken wir für zwei Kilometer nördlich des Hohen Kopfs entlang zur Nasse, einem Bach, dem wir bis Questenberg entlang der Nassestraße folgen wollen.

Herbstanfang im NassetalDer obere Bachlauf der Nasse ist eher mit einem Rinnsal zu vergleichen. Um so mehr war ich erstaunt, als beim Überqueren der Brücke in einer kleinen Gumpe Fische flüchteten. Damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Es waren nicht die einzigen. Wer sich die Mühe macht und sich langsam bewegt, kann sie in schnellen und hektischen Fluchten gegen die Fließrichtung verfolgen. Das Tal der Nasse schneidet in die Berge links und rechts tief ein. In einigen Bereichen schickt bereits der Herbst seine ersten Boten und beginnt das Laub zu färben. Die Nasse wird auf ihrem Lauf immer wieder von anderen kleinen Bächlein gespeist, so dass sie zum Tal hin zu einem ansehnlichen Bach wird. Ein paar hundert Meter vor Questenberg durchbricht sie, wie auch die Nassestraße, die Felsen und schafft so ein beeindruckendes Felsentor. Diese Klamm soll auf natürliche Weise im Lauf der Zeit entstanden sein. Bäume klammern sich in den harten Fels und fristen dort ihr Dasein. Im weiteren Verlauf schwenkt die Nasse mehrmals nach rechts weg und kehrt wieder, wechselt sich mit Wiesen ab und führt uns zurück zu unserem Startpunkt, dem Parkplatz am Ortsrand von Questenberg. Unsere Reise durch die Zeit geht zu Ende.

Beschaulich ruhiges Wandern in der Karstlandschaft

Die etwa 18 Kilometer lange Runde bietet zahlreiche Höhepunkte und Erlebnisse. Mit der entsprechenden Geduld und Ausdauer sind sie alle zu meistern, auch wenn sie uns etwas Schweiß abtrotzen. Den Eindrücken der Burgruine und der Queste stehen die an der Dinsterbachschwinde, der Schönen Aussicht und der Nassestraße in nichts nach. Auf der Suche nach einer ruhigen Gegend, in der man sich größtenteils allein bewegt, werdet ihr hier garantiert fündig. Die Stempel an der Queste und der Schönen Aussicht sind für die Trophäenjäger interessant, die Kamera wird garantiert stark beansprucht auf der Wanderung. Wir legen euch diese Runde sehr ans Herz und empfehlen euch, diese Entdeckungsreise unbedingt mal selbst zu unternehmen.

 

Das Video zur Tour

 

Die Komoot-Karte zur Tour:

 

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